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Katharina Heilein
„Construction Time Again - phase II“

Recherche, Modellbau, Installation


"Construction Time Again - phase II". U10-Bhf Weissensee under construction.
Gebaut von T. Reibeholz und K. Heilein.
Foto: K. Heilein.

Mit der Übernahme des Westberliner S-Bahn-Netzes durch den Senat und die BVG 1984 wurde nicht mehr in U-Bahn-Linien investiert, die mit S-Bahnstrecken konkurrierten. Damit führte auch die Wiederinbetriebnahme der stillgelegten S1 zur Wende in der Planung der parallel laufenden U10.

Die Berliner Künstlerin Katharina Heilein hat 2009 die damaligen Verkehrsplaner der U10 und verschiedene Zeitzeugen der S-Bahn-Geschichte interviewt und baut jetzt zusammen mit U-Bahn – und Ortskundigen auf der Grundlage von vorhandenen Bauplänen, weiteren Expertenberichten und Landesarchiv-Dokumenten die Strecke in wöchentlichen Modellbau-Workshops nach.

Das Modell wird über 6 Monate gleichzeitig von beiden Enden her gebaut, beginnend mit den Bahnhöfen Weißensee und Drakestrasse. Regelmäßige Einladungen an die lokale Bevölkerung entlang der Strecke folgen - zur Besichtigung von U10-Rohbauten, zur oberirdischen Spurensuche, zum Ideenaustausch und zur Beteiligung am Modellbau.

In der Präsentation des Modells auf dem stillgelegten U10-Bahnsteig im U-Bhf. Schlossstraße im November wird über eine integrierte Audioarbeit das Thema U-Bahn und S-Bahn noch einmal auf besondere Weise verknüpft werden, um auf die Spur der ungeahnten Potentiale der Phantom-Linie U10 zu führen.

TeilnehmerInnen werden gesucht!


"Construction Time Again - phase II". Besichtigung U10-Bhf Rathaus Steglitz,
21.5.2010.
Foto: K. Heilein.

Termine 2010

Sa. 8. Mai, 10 bis 18 Uhr
Besichtigung der Original-Baupläne und Nachbau der geplanten U10-Strecke "Weißensee bis Am Friedrichshain", im Künstleratelier, Heynstr. 5, 13187 Berlin-Pankow (Klingel: Sloapsolutions)
(S-Bhf. Wollankstr./ Bus M27 oder S und U-Bhf Pankow/Bus M27)

Fr. 21. Mai, 17 Uhr
Wußten Sie, daß seit den 70er Jahren im U-Bhf. Rathaus Steglitz ein riesiger Beton-Rohbaubahnhof hinter verschlossenen Türen schlummert? Wie das "tote" Gleis" im U-Bhf Schloßstr. gehört er zu der nie fertiggebauten Linie U10 und verkörpert ein spannendes Stück Stadtteilgeschichte? Sie sind Steglitzer, und haben Lust, an Ihrem lokalen Streckenabschnitt mitzubauen?

Kostenlose Besichtigung des U10-Rohbaubahnhofs Rathaus Steglitz.
Treffpunkt: BVG-Infopunkt, Rathaus Steglitz.

25.-28 Mai, n.V.
Kostenlose Besichtigung der Original-Baupläne und Beginn Medellbau (strecke Drakenstrasse-W.Schreiber Plats).
Treffpunkt: Künstleratelier, Heynstr. 5, 13187 Berlin-Pankow.

Sa.05. Juni, 10-12 Uhr
Wußten Sie, daß Weißensee eine U-Bahn haben sollte - die Linie U10? Im U-Bhf. Alexanderplatz wartet seit Jahrzehnten ein Rohbau-Tunnel auf den Weiterbau in Richtung Weißensee.

Kostenlose Besichtigung der Original-Baupläne und Beginn Medellbau (strecke Weißensee-Am Friedrichshain).
Treffpunkt: Künstleratelier, Heynstr. 5, 13187 Berlin-Pankow.

Download Einladung

Anmeldung erförderlich unter info@u10-berlin.de oder 0173 2009608.


"Construction Time Again - phase II". Workshop bei der künstlerin Katharina Heilein
Foto: AG/U10-archive

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Katharina Heilein
„Construction Time Again - phase I“

Recherche, Diskussion, Installation

Letzte S-Bahn unter DDR-Regie in West-Berlin. Mit Kranz der West Berliner IGEB e.V. 08.01.1984.
Foto: Michael Müller

Kontext

Der U-Bahn wurde im Westteil der Halbstadt Berlin bis 1982 eine starke Bedeutung zugemessen. Zurückführen laßt sich dieser Fakt auf den Umstand, daß die S-Bahn im Rahmen der Beschlag- nahmung der Deutschen Reichsbahn durch die Allierten nach der Kapitulation in die Betriebs- führerschaft der DDR überging. Die Mehrheit der Westberliner boykottierten die sogenannte "Ulbricht-Bahn" und der Senat lehnte die Forderungen aus dem Ostteil der Stadt ab, sich an den S-Bahn- Kosten zu beteiligen. In Absprache mit den Allierten anderten sich ab 1982 die verkehrspolitischen Ziele seitens des Senats und die Integration der S-Bahn ins ÖPNV-System wurde ins Auge gefaßt. Damit verbunden war die Verteilung der vorhandenen Investitionsmittel auf S-Bahn und U-Bahn. Mit der Entscheidung für die Wiederinbetriebnahme auch der stillgelegten Wannseebahn trat die Wende in der Planung der U10 ein, die bis dahin als Alternative zu dieser gedacht war. Verhandlungen zwischen dem Westberliner Senat, der Deutschen Reichsbahn, der DDR und den Alliierten mündeten 1984 in der übernahme des Westberliner S-Bahn-Netzes durch den Senat und die BVG. Der Senat investierte fortan nicht mehr in U-Bahn-Strecken, die sich in Konkurrenz zu bestehenden S-Bahnstrecken befanden. 1985 wurde endgültig beschlossen, daß die U10 nicht mehr gebaut werden würde.

Ausschnitt aus "Construction Time Again - phase I"
Audio: Brigitte Krämer

Idee

Anknüpfend an die NGBK-Ausstellung, Die Berliner S-Bahn' von 1982, die nicht nur mit dem Verfall derselben kritisch umging, sondern sich auch zum Bau der konkurrierenden U-Bahnlinien positionierte, soll die "Phantom-Werdung" der Linie U10 im Zusammenhang mit der Betriebsübernahme der S- Bahn durch den Westberliner Senat 1983/84 betrachtet werden.


“Construction Time Again - phase I". Installation und Diskussion mit den
Verkehrsexperten Udo Dittfurth (Leiter des S-Bahn Museums), Christfried
Tschepe (Fahrgastverband IGEB), Erhard Hübner-Kosney und Rüdiger
Lemnitz (beide Abt. Planung ÖPNV-Infrastruktur des Senats), Dieter Müller
(ehem. S- Bahn Triebwagenführer, Mitwirkender im Film 'Berliner Stadtbahn-
bilder') und Alfred Behrens (Film- und Drehbuchautor, u.a. 'Berliner Stadt-
bahnbilder') im "U3 Tunnel", Potsdamer Platz am 10.12.09.
Foto: Francisco Queimadela

Zeitrahmen

2009:
Am 10. Dezember findet dazu eine Gesprächsabend im "U3 Tunnel", den U10-Rohbaubahnhof am Potsdamer Platz. Verschiedenen Zeitzeugen sind eingeladen, die das Ende der DR S-Bahn in Westberlin bzw. den Abbruch der U10-Planungen und der baulichen Vorleistungen erlebt haben. Kuriose Situationen und Anekdoten aus der Zeit des Geisterstrecken-Daseins der S-Bahn führen auf die Spur der ungeahnten Potentiale der Phantom-Linie U10.

Die visuelle Referenz zum historischen Prozess der Betriebsübernahme der S-Bahn durch die BVG 1984 sollen die Kränze an den Zügen- und sogar Kranzniederlegungen an den Bahnhöfen am letzten Tag der, DR S-Bahn' sein. Die Künstlerin möchte einen Satz der anwesenden Zeitzeiugen (max 5) über diese Zeit auf jeweils eine Kranz-Trauerschleife drucken lassen, die auf den 5 mit Stoff bespannten Tischen liegen sollen. Die Kranzschleife soll unter einem speziellen Trauerkranz liegen, der Text soll ersteinmal verdeckt sein und erst durch das Hochheben des Kranzes im Verlauf des Abends sichtbar werden. An dieser Stelle wird eine Audioinstallation von die Künstlerin Brigitte Kramer integriert sein, bei der der Schleifen - Text (und weiteres) für alle Gäste des Abends hörbar sein wird.

Am Rande der Veranstaltung wird die Künstlerin die "geIüfteten" Kranze zu Blumensträußen umzuwandeln und sie die den Diskussionsteilnehmern am Schluß überreichen.


Satz von Rüdiger Lemnitz auf dem Kranzschleife.
Installation bei “Construction Time Again - phase I".
Foto: AG/U10-archive

2010:
Zwei Gruppen von Zeitzeugen aus den 80er Jahren sollen 2010 in dem Projekt,"Enderung der Zeit" zusammengebracht werden: Zum Einen die ostdeutschen S-Bahn Triebwagenführer, die als, "Eisenbahner mit Paß" bis Januar 1984 das Privileg hatten, die Züge durch eine geteilte Stadt zu fahren und zum Anderen die Ingenieure des ehemaligen Referats U-Bahnplanung beim Westberliner Senat, die die U 10 da mals geplant haben. Beide Personengruppen gingen aus der Vereinbarung über die S-Bahn von 1983 in gewisser Hinsicht als "Verlierer" hervor.

Prozess

Zusammenarbeit mit ehemaligen Mitarbeitern des Referats U-Bahnplanung:
Das Referat U-Bahn-Planung beim Senat ist zwar vor kurzem aufgelöst und die Mitarbeiter zum größten Teil in den Ruhestand entlassen worden, es ließ sich aber der Kontakt zu zwei noch angestellten beteiligten Ingenieuren herstellen. In der derzeitigen Begegnung mit ihnen versuchen wir, die Situation vor 25 Jahren zu rekapitulieren, was es für die Beteiligten persönlich bedeutete, daß das U10 Projekt "auf Eis" gelegt wurde, welche Ambitionen und Ideen damit "begraben" wurden. Nach dieser Recherche- arbeit möchte ich anregen, mit diesen und weiteren Mitwirkenden ein filigranes Modell der von ihnen geplanten U10 zu bauen, wie sie nach ihren Vorstellungen hatte realisiert werden sollen. Der Maßstab dieses Modelles sollte 1:200 sein, was eine Modelltunnelbreite von 5cm auf 150m (Länge eines Bahnsteiges) bedeuten würde. Die Materialien sollten transparent sein, so daß das Modell beleuchtet werden kann.
Die temporare "Modellbauwerkstatt" könnte sich im öffentlichen Raum eines U-Bahnhofes befinden, so daß ein Austausch zwischen den "Modellbauern" (ehemaligen Referats-Ingenieuren und mir) und den Nutzern der U-Bahn stattfinden kann. Das Modell solite gepaart werden mit den Erzahlungen/ Beschreibungen von Fahrten der ehemaligen ostdeuschen S-Bahn-Zugführer durch Ost und Westberlin. Geplant sind hierzu Tonaufnahmen von Interviews mit ehemaligen S-Bahn-Zugführern der Deutschen Reichsbahn wie Herrn Dieter Müller, in denen sie auf ihre Erlebnisse und Wahrnehmungen bei diesen besonderen, grenzüberschreitenden Fahrten angesprochen werden. Im Feinschnitt dieser Aufnahmen sollen dann alle konkreten Orts- oder Zeitangaben herausgenommen werden, so daß diese Beschreibungen vom Rezipienten raumlich und zeitlich nicht verortet werden können.

Prasentation

Das Modell und die Audio-Installation sollten wie oben beschrieben vorzugsweise in einem Bahnhof im Untergrund installiert werden. Es sollten mehrere Audio-Player mit Kopfhörern entlang des 150m- Modells installiert werden, so daß man sich an der "Modellstrecke" entlangbewegen und die Audioarbeit als punktuelles Angebot wahrnehmen kann.

Lebenslauf

Katharina Heilein, geb. 1971 in Dresden, lebt und arbeitet in Berlin Studium in Dresden (HfBK Dresden), Kopenhagen (Det Kongelige Danske Kunstakademi) und London (Central Saint Martin's College of Art and Design). MA Fine Art am Goldsmiths College London. Realisierung von kollaborativen Projekten (www.sloapsolutions.com), Arbeit mit verschiedenen Medien und Rollenspiel; Lehrtätigkeit und Durchführung von workshops, Ausstellungsbeteiligungen in London, Prag, Helsinki, Dresden und Berlin (kürzlich: 'Knast sind immer die anderen', NGBK Berlin, 2009).

www.sloapsolutions.com