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Myriel Milicevic & Hanspeter Kadel
„Underground Currents“


Idee

Im Stadtalltag sind wir von unzähligen Energielecks umgeben, die „Abfallprodukte“ unserer urbanen Infrastruktur sind, wie Abwärme von Klimaanlagen, Lichtemission durch Schaufensterbeleuchtungen, Schwingungen durch Schwerverkehr oder Lärm durch heulende Martinshörner. Myriel Milicevic und Hanspeter Kadel beschäftigen sich in ihren künstlerischen Arbeiten mit dem Thema Energieverschwendung und erkennen in diesen strukturellen Lecks eine Vielzahl von frei zugänglichen Energiequellen, die sie zu nutzen wissen. Sie geben Stadtbewohner_innen die Möglichkeit, auf ihren alltäglichen Wegen Energieabfälle einzusammeln, indem sie „Energy Harvests“ bauen und zur Verfügung stellen. „Energy Harvests“ sind tragbare und fest installierbare Energie-Ernte-Geräte, die Licht, Lärm, Vibrationen oder Wärme in nutzbare Energie verwandeln. Sie stehen damit auch in der Tradition von öffentlichen und gemeinschaftlich genutzten Ressourcen, wie der Nachlese auf abgeernteten Feldern oder des Weiderechts für Wanderhirten. „Energy Harvests“ werfen die Frage auf, wie freie Energie gesammelt, verteilt und getauscht werden könnte und welche Netzwerke und Mikro-Ökonomien dadurch entstehen würden.

Ein solches Energieleck machen die Künstler_innen auch im Berliner Untergrund aus: Ein- und ausfahrende U-Bahn-Wagons erzeugen Wind, der für gewöhnlich energetisch ungenutzt bleibt. „Underground Currents“ ist eine Installation an der U-Bahnstation Neukölln der Linie U7, die sich dieses Leck zunutze macht: Am Bahnsteig werden Energie-Kollektoren in Form von kleinen Windmühlen angebracht. Fährt ein Zug ein, werden diese durch den entstehenden Luftzug angetrieben. Der generierte Strom wird gespeichert und für das Senden von informativen, kritischen, poetischen und utopischen Audiobeiträgen zu alternativen Ökonomien und Gesellschaftsformen verwendet.

Wann/ Wo

„Underground Currents“ – Eröffnung am 11. August 2011 um 19h.
Zu sehen und zu hören bis 8. September 2011 an der U-Bahnstation Neukölln der Linie U7.

Milicevic & Kadel bieten am 18. August 2011 von 10-17 Uhr einen Workshop an, der vom Festival ÜBER LEBENSKUNST, einem Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes in Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt, veranstaltet wird.
Im Rahmen des Berlin-Aktionstages des Festvals am 20. August 2011 findet um 15h eine Führung der U10-Kuratorin Edda Kapsch und um 16h ein Rundgang mit den Künstlern statt.
www.ueber-lebenskunst.org/events/view/41

Foto: AG/U10-archive                                 Foto: Timo Wulff

Interviews

Myriel Milicevic und Hanspeter Kadel führten während ihrer Projektarbeit Interviews mit verschiedenen SpezialistInnen, die sich mit Themen wie alternativen Energieformen, Ökonomien und Gesellschaftsformen auseinandersetzen. Die Interviews, die hier nachzulesen und nachzuhören sind, sind am U-Bahnhof Neukölln während der Projektlaufzeit zu hören.

track 01) Alex Demirovic

Alex Demirovic ist Philosoph und was ihn vor allem umtreibt, sind Fragen von Demokratie und Herrschaft und die Utopie einer emanzipierten Gesellschaft. Er erklärt, warum Technologie nicht von demokratischen Prozessen getrennt werden darf, wie beides sich gegenseitig beeinflusst und unser Verständnis von den Ressourcen die wir konsumieren prägt. Während wir an unseren Küchentischen in Berlin und Palma sitzen, die über das Internet verbunden sind, teilt er mit uns seine Begeisterung für die Möglichkeiten, die in dezentralisierten Netzwerken und selbstverwalteter Energieproduktion liegen.

Alex, du hast in der Diskussion um den Atomausstieg gesagt, dass es mit einem bloßen Abschalten der AKWs nicht getan ist. Deiner Meinung nach müssen wir darüber nachdenken, wie wir die Produktion und Verteilung von Energie demokratisch kontrollieren können?

Seit die Diskussion im Anschluss an Fukushima aufgekommen ist, ist klar geworden, dass die Energieunternehmen durchaus bereit sind, in der Bundesrepublik aus der Atomkraft auszusteigen, wenn sie entsprechend unter Druck gesetzt werden und gleichzeitig Gewinne garantiert bekommen. Sie dürfen im Ausland ja weiter AKWs bauen. Besonders wichtig ist für die Unternehmen dabei, weiterhin die Kontrolle über die Netze zu behalten. Das bedeutet, so wie ich das verstehe, dass damit eine Dezentralisierung der Energieversorgung durch Solaranlagen, durch Biomasseanlagen, also lokale Kraftwerke, Wärmekraftkopplung usw., dass das alles sehr erschwert wird, weil darauf bestanden wird, dass große Energieanlagen geschaffen werden. Also zum Beispiel in der Nordsee Windparks oder Desertec in der Sahara.

Große Energiekonzerne werden also weiter begünstigt...

Ja, indem sie mit alten und neuen Netzen, die von der Nordsee nach Süddeutschland verlegt werden müssen, nicht nur vermehrt in die Landschaft und den Alltag von vielen Menschen eingreifen, sondern auch die Versorgung monopolisieren können. Für die Erzeugung von Energie in der Sahara müssen große Flächen der Wüste mit Solaranlagen zugepflastert werden. Diese Energie muss entweder über teure Netze zentral und mit großen Verlusten durch das Mittelmeer geschafft werden oder sie muss verflüssigt werden. Und dann braucht es in Algerien oder Tunesien oder wo auch immer große Hafenanlagen und große Schiffe, die diese Energien transportieren, und entsprechende Sicherheitsvorkehrungen, was die Solaranlagen und Hafenanlagen betrifft. Das heißt, die Energie, die Technikwahl, die Verteilungsform, die sind sozial überhaupt nicht neutral, sondern haben unmittelbar Folgen für die Art und Weise wie wir konsumieren, wie wir produzieren und wie wir auch mit der Energie dann umgehen.

Was haben denn Energieproduktion und Konsum genau miteinander zu tun?

Wir haben ja eine Reihe von Konsumformen, bei denen man sich fragen muss: „Brauchen wir die so?“ Bei der Energieeinsparung kommt schnell das Beispiel der Standby-Funktion auf. Wenn man allein nur die Schweiz zugrunde legt, würde die Beseitigung der Standby-Funktion an Elektrogeräten im Prinzip ein bis zwei Kraftwerke einsparen können. Das ist ein enormer Verbrauch, der genau genommen nur dem winzigen Komfort dient, dass ein Gerät stunden- oder tagelang einsatzbereit ist. Wenn nun sogenannte umweltfreundliche Autos mit E-Antrieb gebaut werden sollen, dann benötigen diese eine entsprechende Energieversorgung und durchaus aufwendige und umweltzerstörerische Speichersysteme. Und so etwas wird ja nicht nach nachhaltigen, kollektiven und demokratischen Gesichtspunkten entschieden. Das entscheiden Energieunternehmen. Die Art und Weise, wie dort über Energie verfügt wird, wie die Energie erzeugt und wie sie genutzt wird, also Wasser, Kohle Atomkraft oder nun vermehrt Großanlagen für die Nutzung von Wind oder Sonne, das ist ja nicht wirklich Gegenstand kollektiver Entscheidung.

Was schwebt dir stattdessen vor?

Meine Lieblingsidee wäre, dass wir Dinge einmal demokratisch entscheiden, und dann müssen wir sie in Zukunft vielleicht gar nicht mehr entscheiden. Mich hat zum Beispiel das ‚Solarnetzwerk’ sehr beeindruckt. Das ist ein globales Netzwerk miteinander verbundener Projekte. Mit was für einer sozialen Fantasie die Leute dort Dinge erfinden, die es ihnen erlauben, durch eine Vielzahl von technischen Methoden Energie in erheblichem Maße einzusparen oder mehr als die benötigte Energie zu erzeugen. Und das geschieht in der Form, dass auf dörflicher Ebene oder auf regionaler Ebene darüber entschieden wird.

Es soll also lokal darüber entschieden werden, wie die Energie vor Ort produziert wird?

Technisch ist es so, dass Fensterläden oder die einzelnen Dachziegel selbst als Solarzellen fungieren und von daher der Zubedarf an Energie, wenn überhaupt, sehr gering ist. Wenn man sich Solarhäuser anguckt, die intelligent gebaut sind -- mit Wärmedämmung und mit Verwendung der Energie für die Wasserversorgung -- dann erzeugen solche Häuser mittlerweile fünfmal mehr Energie als sie selber verbrauchen. Das heißt, diese Häuser sind energetisch und auch im Hinblick auf die Wasserversorgung weitgehend autark. Das bedeutet aber auch, dass die Kontrolle über die Energieversorgung den großen Unternehmen auf diese Weise entzogen ist.

Mich haben eben diese Solarhäuser sehr beeindruckt, weil die technisch sehr viel machen können. Das was jetzt diskutiert wird, dass man zum Beispiel über intelligente Netze den Strom nach Norwegen oder in die Schweiz schafft, dort Wasser hoch pumpt und dann fließt das Wasser wieder runter und erzeugt erneut Energie - vieles davon kann man kleinräumig in kleinen Gemeinden oder sogar einzelnen Häusern ohne gewaltige Infrastrukturen und Machtentwickung machen. Ich gebe zu, das sind alles technische Möglichkeiten, die mir aber wichtig erscheinen, weil sie nämlich denjenigen Macht entziehen, die Energieerzeugung zur Grundlage von Oligopolbildung machen und damit eine bestimmte Lebensweise und einen bestimmten Konsumstil diktieren. Das Entscheidende ist ja, dass wir über die Frage der Technik, über die Einführung und Verwendung von Technologien und über die Art der Nutzung, dass wir darüber diskutieren und gemeinsam entscheiden sollten. Es geht demokratiepolitisch darum, etwas zu ermöglichen, Dinge auszuprobieren, und zu sehen, was ist machbar und was sollten wir, wenn es sich bewährt, auch verallgemeinern. Ich finde, da gibt es sehr vieles, was in solchen Projekten entwickelt wird, was man verallgemeinern könnte. Das scheitert aber daran, dass die großen Unternehmen sich dem entgegenstellen.

Also Technik plus Demokratie?

Wir haben jetzt Technik, die nicht mit Demokratie verbunden ist. Technik ist nicht einfach Technik, sie ist immer ein bestimmtes soziales Verhältnis. Wir brauchen demnach eine Verbindung von beidem: Technische Entwicklung, die durch demokratische Prozesse angeregt und angeleitet wird.

track 02) Fran Ilich

Fran Ilich is a Mexican author and artist. He is in New York as we talk about Indian princesses and bunnies eating precious Zapatista corn – which all somehow relates to his Spacebank project that he founded as an alternative form of investment bank. Also his Brooklyn Stock Exchange, the Sabotage Hedge Fund, as well as a digital currency that he created show that another kind of banking is possible, and how they can empower social relationships among virtual and physical communities.

In 2005, a couple of people I know through the internet and in person, by some kind of strange coincidence, they decided that they want to move to an island and start a civilization. They didn’t know each other, so there were different reasons. One of them wanted to inhabit a new land and populate it and create a very utopian civilization from the beginning. He wanted to look for this island somewhere in the Caribbean. He asked me if I could assemble a team of people to travel there, and I was able to find a young person who was able to pilot a boat and who was part of the Marine Merchant of Mexico. On the other side, there was this other person, a Mexican, married to a princess from India. He’s an artist and was running for president in a kind of conceptual way. And he said, it would be great if we could buy an island to declare independence and a revolution. And I thought, I have to assemble these different teams into one. The conceptual artist found an island on the internet that cost 20.000,00 $ and he told me, if we can get only 20 people that can give 1000,00 $, then we can buy this island and declare revolution. The next day it sounded like a very bad idea to me, because how can you declare revolution in a country that is not yours? And why would you want to loose 20.000,00 $ just for the sake of art? It sounded to me too much like the general economy of Bataille.

So I started working with them, mediating like a broker or something. Because I think of things like this, even though it sounds too crazy or too opposing, the two initiatives, they can lead to something. I thought, ok, we’re definitely not going to move to an island, but if we’re able to open a coffee shop, that to me is like an island. So I started doing this and of course, the both parties got into serious disagreements. I was able to start a server, because of the momentum that I was able to generate. And this “net-island”, or server, was born in a very singular moment, where the Zapatista was calling the citizens of Mexico to join them in a campaign. So I started this server in a moment very motivated by what they were doing. There are of course many differences between cyber space and physical space, but some ideas can translate.

I guess I kind of did it ok, because eventually the Zapatista army moved the website to the server that I was running. One of the ideas that was different from other autonomous servers, cause the server that I was running was autonomous too, is that it was cooperative and that it had a bank behind it. I called it a central bank back then, but it wasn’t really a central bank. Now I can say that because now I’m doing a central bank. So this bank was basically in charge of seeing the credits and debits that were entering into the Possible Worlds server system. This created an economy that very soon was generating 500$ a month that could be used to generate open content. Because of all the activity that was going on around Possible Worlds, which was the political body and Spacebank, the economical body, and of course there were a lot of people creating work, and a lot of people consuming this work.

[…]

In 2008 I started offering bonds for infrastructures. We wanted to buy a server to start a radio stream then. It was much cheaper to sell bonds to the audience or investors and offer some kind of return with the payment of the debt, than to buy the server with the credit card. I think, I launched the first bond in Santiago de Chile and like an hour later it had been sold completely, which meant that probably 3500 $ had been raised, or something like really big. So I could see another kind of banking could happen.

By the end of the year 2008, I was invited to present some of these projects that were being done to a Zapatista festival in Mexico City and Chiapas, and to be on the panel with subcommandante Marcos to talk about another communication, another media, and another culture in Chiapas. I think on December 1st 2008 I decided to open a media conglomerate, and started financializing all of the different projects, like the server, a fiction department and a radio station, in order be able to sell shares. So during 2009, more investment tools were released on Spacebank and I worked a lot to gain more credibility around customers and so on and so on, so that by 2010 I was able to launch a stock exchange to trade financial tools of different research groups or virtual enterprises. And I was able to start offering virtual jobs that pay really bad but generate a lot of work. Spacebank in that way became like a centralized economy where everyone is putting a lot of labor, that is going to help the community at large or the virtual community at large around Possible Worlds, but not exactly to empower individuals. So all the money is always being reinvested in a way that we could call it “artificial insolvency”, because there is really never any money, because everything is always invested, although a lot of money has been generated.

track 03) Franz John

Eine von Franz Johns Motivationen Kunst zu machen ist, die Welt dadurch besser zu verstehen. In seinem Atelier finden sich Modelle von Urmeeren, ein selbstgebautes Teleskop, Erdbeben Detektoren, Camera Obscura Abbildungen und kleine Grätzelzellen. Diese sind der eigentliche Gegenstand unseres Interesses an diesem Nachmittag. Schließlich können sie Energie nach dem gleichen Prinzip erzeugen, wie Pflanzen das tun. Franz erklärt, wie das mit den Grätzelzellen funktioniert und am Ende fragen wir uns, warum wir nicht mehr von den Pflanzen, den Insekten und anderen Lebewesen lernen.

Ich arbeite jetzt seit einem Jahr künstlerisch mit sogenannten Grätzel-Zellen. Das sind Farbstoffsolarzellen, die im Unterschied zu den klassischen Solarzellen nicht mit Silizium arbeiten, sondern mit Farbstoffen. Und das ist etwas ganz Besonderes. Es ist eine Entdeckung – und daher kommt auch der Name Grätzel-Zelle –, die Prof. Michael Grätzel Anfang der 90er Jahre in Lausanne gemacht hat, und sich damals auch patentieren ließ. Bislang hat sich das Ganze noch wenig durchgesetzt, aber die Erfindung ist ziemlich spektakulär. Sie ist schlicht und einfach an Pflanzenvorgängen angelehnt. Wer sich an seinen Biologieunterricht zurückerinnert, hat schon mal von dem Begriff Photosynthese gehört. Das Prinzip funktioniert so, dass ein Baum mittels Farbstoffen Licht absorbiert und daraus seinen Energiehaushalt selbst erzeugen kann. Jeder Baum ist also sein eigenes Kraftwerk. Das ist etwas, das Michael Grätzel damals aufgefallen ist, und er hat versucht, von der Natur zu lernen: Wie schaffen Pflanzen es, ihre eigene Energie zu erzeugen und warum können wir Menschen diesen Vorgang nicht hervorrufen? Spannend ist Grätzels Entdeckung u.a., weil die Solarenergie umweltschädlicher ist als gemeinhin bekannt. Man braucht zur Herstellung des Siliziums nämlich sehr viel Energie, und zwar, um aus dem Sand das Silizium herauszuschmelzen. Diese Energie wird aus Kohle oder Koks gewonnen. Bis eine Solarzelle diese Umweltverschmutzung, die sie sozusagen selbst verursacht hat, wieder ausgeglichen hat, vergehen fünf Jahre. Das ist die sogenannte Umweltbilanz. Bei den Farbstoffsolarzellen oder Grätzel-Zellen, mit denen wir experimentieren, liegt die Besonderheit darin, dass wir auch unsere Farbstoffe selbst erzeugen. Das heißt, wir zerlegen verschiedene Pflanzenreste, die normalerweise in der Biotonne versinken würden. Man kann zum Beispiel Brokkoli oder Zwiebelschalen nehmen, mörsert sie und extrahiert die Farbstoffe. Zusammen mit Titanweiß und ein paar relativ ungefährlichen chemischen Stoffen, wird das Gemisch dann zwischen zwei Glasplatten oder Folien aufgetragen. Allein durch diesen physikalischen Zusammenhang wird Strom gewonnen, ganz nach dem Prinzip der Photosynthese.

Wir, das sind Michael Rodemer, ein Professor aus den USA und ich, experimentieren nach diesem Prinzip gemeinsam mit zwei Schulklassen – mit einer Kunst-Leistungsklasse und einer Chemie-Leistungsklasse am Gymnasium. Seit einem dreiviertel Jahr wird also in zwei Bereichen gleichzeitig experimentiert, und die Schüler und Schülerinnen haben es in der Gruppe mittlerweile geschafft, solche Grätzel-Zellen innerhalb von nur zwei Stunden herzustellen. Mit einer Zelle kann man 0,5 Volt bei 200 Milliampere erzeugen. Das heißt, dass wir mit vier hintereinandergeschalteten, selbstgebauten Grätzel-Zellen schon einen MP3 Player betreiben können. Für die Schüler und Schülerinnen ist es immer ein großes Erlebnis zu sehen, wie eigentlich Strom entsteht und wie man ihn selbst aus Pflanzenabfällen herstellen kann.

Sehr spannend ist es, sich das in größerer Dimension vorzustellen. Wir arbeiten jetzt im kleinen Bereich mit etwas, das jeder Baum im enormen Ausmaß selbst erzeugen kann. Eine mittelgroße bis große Eiche kann im Hochsommer pro Stunde etwa ein Kilowatt Strom herstellen. Das entspricht in etwa zwei angestellten Herdplatten, mit denen man z.B. Wasser kochen könnte. Wenn man das im großen Maßstab denkt, kann man sich vorstellen, was es bedeuten würde, solche Grätzelzellen systematisch herzustellen.

Dieses Prinzip gibt es übrigens nicht nur bei Pflanzen. Ich war verblüfft, als ich vor einiger Zeit von einer Mitarbeiterin des Helmholtz-Instituts eine E-Mail bekommen habe, in der sie ein Foto einer orientalischen Hornisse mitgesendet hat. Das Insekt hat „in“ den gelben Streifen so eine Art Grätzel-Zellen-Kraftwerk. Die Hornisse erzeugt mittels dieses gelben Farbstoffs tatsächlich Strom. Die Wissenschaft weiß bislang nicht, wofür der Strom gebraucht wird – ob er zur Kühlung des Insekts beiträgt, oder ob das Insekt damit seine Flügel besser schlagen kann. Jedenfalls zeigt das, dass es in der Natur sehr viele Mechanismen gibt, die wir noch nicht entdeckt haben. Um uns sind viele Ressourcen, die wir übersehen. Wir sollten uns vielleicht mehr im Nahbereich umsehen, um zu entdecken, wo diese Ressourcen sind und wie wir sie nutzen können.

In der Bionik wird das Grätzel-Prinzip teilweise schon angewendet. Wir selbst übernehmen diese Prinzipien und versuchen, damit Kunst zu machen. Das heißt, wir wollen etwas schaffen, das begreifbar und haptisch erfahrbar ist. Das ist auch einer der Gründe, weshalb wir mit einer Kunstklasse zusammen arbeiten. Ab dem 20. August werden wir im Haus der Kulturen der Welt Objekte präsentieren, die die Schüler und Schülerinnen selbst gebastelt haben, um den Besuchern und Besucherinnen zu zeigen, was bereits alles machbar ist. Mit ein paar Farbstoffen und sehr wenig Chemie lässt sich nachhaltig und umweltschonend Strom erzeugen.

track 04) Henrik Lebuhn

Als Stadtforscher, der viel in den USA unterwegs war, kennt Henrik Lebuhn unzählige Geschichten von Städten und ihren Bewohnern. Auf einer kleinen Brachfläche in Berlin erzählt er von der Blütezeit eines gigantisch großen Gemeinschaftsgartens, der sich vor nicht allzu langer Zeit auf einer enormen Industriebrache in Los Angeles entfaltete, ein Zuhause für unzählige Lebewesen wurde und dann wieder verschwand.

Die South Central Gardens sind 1992 im Stadtteil South Central in Los Angeles auf einer alten Industriebrache entstanden. Das ganze hat eine lange Vorgeschichte, die ich in meinem Buch ‚Stadt in Bewegung’ ausführlich schildere, die ich jetzt aber mal weglasse. Mit einer Größe von ungefähr neun Fußballfeldern waren sie der wohl größte innerstädtische Gemeinschaftsgarten in den gesamten USA. Obwohl das Projekt wunderbar funktionierte, verkaufte die Stadt das Gelände im Jahr 2003 an einen privaten Investor. Der wollte dort nämlich Lagerhallen bauen. 2006, wurden die Gärten dann nach langen Protesten polizeilich geräumt. Ich habe mich ausführlich mit den South Central Gardens beschäftigt, weil ich finde, man kann davon ganz viel lernen: über die nicht-kommerzielle, alternative und vor allem auch kollektive Nutzung von städtischen Freiflächen; aber – leider, muss man sagen -- auch darüber, wo solche nicht-kommerziellen Projekte heutzutage ganz schnell ihre Grenzen finden.

Aber vielleicht erst noch mal ein paar Worte zu den Gärten selbst: Du musst dir das als eine riesige, wirklich riesige, grüne Freifläche vorstellen, die ganz merkwürdig eingekeilt war zwischen dem Stadtteil South Central. Das ist ein sehr armes Viertel, in dem vor allem Schwarze und Latinos wohnen. Und dem Stadtteil Vernon, der ein reiner Industriestandort ist, eine richtige fiese Betonwüste. Und da sitzt nun dieser Gemeinschaftsgarten mit etwa 300 Parzellen, die vor allem von Familien aus Lateinamerika bewirtschaftet werden und mit großen Gemeinschaftsflächen, die für Nachbarschaftstreffen, Picknicks, Parties und so weiter und so fort genutzt werden können. Und weil das Klima in Los Angeles so mild ist und die Leute in den Gärten vor allem Nutzpflanzen anbauen, können sich viele Familien zu einem großen Teil über die Gärten ernähren.

Dazu gibt es übrigens eine lustige Anekdote: Viele der Gärtner waren Latinos und waren bevor sie in die USA gekommen sind Kleinbauern. Und bei einem meiner Besuche haben die mir erzählt, dass sie, wenn sie ihre Heimatdörfer in Mexiko und Mittelamerika besuchen, die Samen von den Pflanzen aus ihren Dörfern und Region mitbringen. Die Einfuhr solcher Samen in die USA ist natürlich streng verboten. Da wird an der Grenze richtig scharf nach kontrolliert. Das haben die aber trotzdem gemacht: alle möglichen Gemüsesorten und Obst bis hin zu Bananenstauden aus El Salvador, aber auch Blumen, Heilpflanzen und Kräuter. Einfach alles. Und irgendwann hat ein Anthropologen von der Universität in Seattle mal eine Studie über die Gärten gemacht und der hat herausgefunden, dass es in ganz L.A. keinen einzigen Ort gab, der es in Sachen Biodiversität mit den South Central Gardens aufnehmen konnte.

Und ganz wichtig war auch der soziale oder organisatorische Aspekt, denn die Gärten waren komplett selbstverwaltet. Die Stadt hat die Brache 1992 zur Verfügung gestellt, und die Leute haben eine kleine Abgabe für Wasser an die Stadt gezahlt – aber so ziemlich alles andere lief autonom und selbstverwaltet.

Der tragische Teil beginnt dann 2003 als die Stadt das Gelände an einen Investor verkauft hat, der dort bauen wollte. Der hat die Fläche natürlich unter dem Gesichtspunkt gesehen, wie viel Rendite die abwerfen könnte. Und die Stadt hat argumentiert, sie ziehen Geld aus dem Verkauf und da entstehen Arbeitsplätze und der Investor zahlt dann ja auch Steuern, die wiederum vor allem das arme South Central gut gebrauchen kann. Das ist ja nicht mal völlig falsch – aber eben nur die eine Hälfte der Geschichte. Drei Jahre lang gab es riesige Proteste inklusive einer Besetzung der Gärten und eine große Medienkampagne und so weiter und so fort... hat alles nichts geholfen. Im Juni 2006 wurde geräumt und dann kamen auch gleich die Bulldozer.

Warum erzähle ich das alles? Mich hat in meinem Buch vor allem der Aspekt der Proteste und der Konflikt zwischen der Stadt und den Gärtnerinnen und dem Investor interessiert. Aber man kann da finde ich auch im Hinblick auf die Frage alternativer Ressourcennutzung viel von lernen:

Selbstorganisation: Wenn wir heute über alternative Ressourcennutzung reden -- in dem Gartenbeispiel geht’s um städtische Freiräume aber wir können das glaube ich durchaus auch auf Strom und Energie übertragen --, dann wird in der Regel die Frage gestellt: Staat oder Markt? Also soll das staatlich bereit gestellt werden oder soll ein Unternehmen das machen. Dabei geht völlig unter, dass es ja auch Formen alternativer Ressourcennutzung jenseits von Staat und Markt gibt. Und damit meine ich jetzt nicht unbedingt Nonprofits oder klassische Stiftungen, sondern Prozesse von Selbstorganisation und Selbstverwaltung, die auf eine breite und aktive Basisbeteiligung angelegt sind. Da brauchen wir vielmehr soziale Phantasie!

Nicht-kommerzielle Nutzung: Interessant an dem Gartenbeispiel finde ich auch, dass das alles praktisch ohne Geld und völlig nicht-kommerziell ablief. Ok, man kann sagen, das ist trivial. Aber ich finde das ein wichtiges Detail. Nicht zuletzt, weil man heute ja ständig hört: Wenn die Sachen nichts kosten, gehen die Menschen auch nicht verantwortungsvoll damit um. Nur wenn man Geld für etwas zahlt, hat es auch einen Wert. Das ist wirklich ein gefährliches Argument. Das Beispiel der South Central Gardens zeigt genau das Gegenteil: Der verantwortungsbewusste, kreative, nachhaltige Umgang mit Ressourcen kann mindestens genauso gut sozial vermittelt sein und eben nicht über Geld!

Drittens zeigt das Beispiel aber auch, dass solche nicht-kommerziellen und gemeinschaftlichen Projekte in einer marktwirtschaftlich organisierten Stadt immer prekär bleiben, dass sie immer unter einem Vorbehalt stehen. Viele solcher Gärten werden ja über temporäre Zwischennutzungen oder über Pacht- und Mietverträge ermöglicht. Städte stehen heute unter einem immensen Druck, dass die Raumnutzung ‚sich rechnet’, sag ich mal, dass die Kosten gedeckt sind, dass die Stadt und die Verwaltung wirtschaftlich und effizient handelt. Der Stadtforscher David Harvey hat dafür den Begriff der ‚unternehmerischen Stadt’ geprägt. Die Stadt handelt mehr und mehr wie ein Unternehmen mit einer Kosten-Leistungs-Bilanz und einer betriebswirtschaftlichen Logik. Und deshalb ist da immer diese Versuchung, solche Räume oder Ressourcen, die außerhalb von Markt und Staat organisiert sind, wieder zurück zu holen in den Wirtschaftskreislauf. Durch Verkauf, oder Vermietung zum Marktpreis oder durch eine kommerzielle Nutzung oder gewinnorientierte Verwaltung. Und das ist vielleicht das wichtigste Fazit an der ganzen Geschichte: Wenn man Projekte, die auf die alternative Nutzung von Ressourcen abstellen, langfristig sichern will, dann darf man sich nicht auf die tagespolitische Konjunktur verlassen. Dann muss man von Anfang an immer auch über rechtliche und institutionelle Strategien nachdenken, wie man diese kleinen Utopien abzusichern kann. Damit sie Bestand haben und damit sie irgendwann auch gesellschaftlich wirksam werden können und über sich hinauswachsen.

track 05) Lieven Standaert

Lieven Standaert ist ein belgischer Künstler und Erfinder. Zurzeit baut er im Alleingang Null-Emission Luftschiffe und hat bereits ein Exemplar von 9 Metern Länge erfolgreich fertiggestellt. Ein 90 Meter Schiff wird in einigen Jahren bereit sein zum Abheben. Wir sitzen auf einem Erdhügel, als Lieven davon erzählt, wie das mit dem Wasserstoffantrieb funktioniert und was man braucht, um mit einem Luftschiff genau wie mit einem Segelboot die Welt zu umrunden.

Wir haben diese Technologie, bei der wir Wasserstoff als sauberen Treibstoff nutzen. Es ist eine sehr alte Technologie. Wir kennen Wasserstoff seit über hundert Jahren. Und heute nutzen wir es in Autos. Wir bauen Autos, in denen wir Wasserstoff verbrennen, und was herauskommt aus dem Auspuff ist einfaches, sauberes Wasser. Eine fantastische, wunderschöne Technologie. Wir können die Autos nicht benutzen, weil wir keine Tankstellen für Wasserstoff haben. Aber das ist nicht das eigentliche Problem. Ich denke, das eigentliche Problem ist, dass sie die Geschichte über die Wasserstoff Technologie vermasselt haben. Wenn du ein Auto hast und es mit Wasserstoff auftankst, dann sagst du eigentlich: der Wasserstoff ist ein sauberes Benzin. Und das ist es nicht. Denn Benzin holt man aus dem Boden, und Wasserstoff muss man selbst herstellen, das kommt in der Natur so nicht vor. Man erzeugt es mit einem sehr alten Verfahren, das Elektrolyse genannt wird. Da steckt man zwei Metallstücke in einen Eimer Wasser, lässt Strom durchfließen und wandelt das Wasser (H2O) in Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O2) um. O2 ist das, was wir atmen, aber H2 ist ein leichtes Gas, das, wenn man es verbrennt und als Treibstoff verwendet, sich wieder in Wasser zurückverwandelt. Dieser chemische Prozess, der mit Wasser beginnt, welches man unter Strom setzt, dadurch in ein Gas umwandelt, das sich beim Verbrennen wieder in Wasser zurück transformiert – das ist ein geschlossener Kreislauf den man endlos wiederholen kann. Man hat diese Batterie die man wieder aufladen und nutzen kann. Aber das ist genau, was es eigentlich ist – eine Batterie – es ist kein Ersatz für Benzin. Es ist ein Ersatz für eine Batterie! Es ist eine super saubere Batterie, die sich niemals erschöpft. Es ist also keine Energiequelle, es ist ein Energieträger. Und das ist der Punkt wo die Autos die Geschichte durcheinanderbringen – sie erzählen nur den halben Prozess! Man muss auch den Teil erzählen wo der Wasserstoff hergestellt wird. Denn wenn man den Wasserstoff für diese Autos mit Strom erzeugt, der von einem Kohlekraftwerk stammt, dann sind wir keinen Schritt vorangekommen. Man muss den Wasserstoff mit alternativer Energie herstellen. Also was man braucht sind Autos mit Solarzellen oder mit Windrädern auf dem Dach. Oder ein Luftschiff mit zwei sehr großen Propellern, die auch zur Stromgewinnung durch Windkraft genutzt werden können.

Das Projekt, an dem ich arbeite, ist ein Luftschiff, das keinerlei Emissionen verursacht. Die Idee besteht darin, ein Luftschiff zu bauen, das zwei sehr große Propeller hat. Es kann damit auf ganz normale Weise fliegen. Wenn die Energie zur Neige geht, dann landet es nicht. Stattdessen macht man es an einem Ankerkabel fest. Es bleibt dann da oben, 100 Meter über der Erde, wie ein Drache schwebend. Wenn es dann da oben vor Anker liegt, dreht es seine Propeller um, um sie als Windmühlen zu benutzen. Die Windgeneratoren produzieren Elektrizität, Elektrizität und Wasser bilden Wasserstoff, Wasserstoff ist leichter als Luft. Das nutzt man dazu, um das Luftschiff am Schweben zu halten. Es ist aber gleichzeitig auch ein sauberer Treibstoff, den man später für die Propeller nutzen kann, um weiterzufliegen.

Das Luftschiff kann um die ganze Welt reisen, ohne dass es Häfen braucht, ohne die Notwendigkeit von Auftankstationen, ohne einen Bedarf an Flughäfen. Gleichzeitig ist das ein Projekt, das von einem verantwortlicheren Umgang mit Energie erzählt. Denn was da gebaut wurde, ist eine 90 Meter lange Maschine, die mit Energie genauso umgeht wie ein Lebewesen. Wenn sie erschöpft ist, kann man sie nicht einfach wieder aufladen. Sie muss sich erst mal schlafen legen.

track 06) Sabine Nuss

Ein Paternoster ist ein Aufzug, der aus einer Reihe verbundener, türloser Kabinen besteht, die auf einem endlosen Umlaufband kontinuierlich hinauf- und hinabfahren. Wir bewegen uns in einer solchen Kabine innerhalb der Rosa Luxemburg Stiftung hinauf zum Büro von Sabine Nuss. Sie ist Politikwissenschaftlerin und hat ein Buch darüber geschrieben, wie man mit Karl Marx die Open Source Bewegung verstehen kann. Und sie kennt sich wie kaum eine andere mit den Debatten um öffentliche Güter aus. Wir treffen Sabine, um sie über die Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom zu befreagen, warum deren Ideen über Ressourcennutzung und Gemeinschafts-güter politisch hoch relevant sind, und warum die Sache dennoch einen Haken hat.

Elinor Ostrom hat 2009 für ihre Arbeiten über die Nutzung gemeinsamer Ressourcen, also sogenannter Allmenden, den Wirtschaftsnobelpreis bekommen. Sabine, worin besteht der Kern ihrer Theorie?

Ostrom ist eigentlich Umweltökonomin, das heißt, sie beschäftigt sich damit, wie man die Ausbeutung und die Übernutzung von Umweltressourcen vermeiden kann. Das bezieht sich bei Ostrom auf ganz unterschiedliche Sachen wie zum Beispiel auf Fischgründe, also auf Ozeane und Wasser, in denen gefischt wird, oder Weiden, auf denen Tiere weiden, oder aber auch auf Bewässerungssysteme. Sie hat sich also ganz verschiedene Arten von Ressourcen angeguckt. Das hat sie aber nicht nur theoretisch getan, sondern das hat sie auch dazu motiviert, ins Feld zu gehen und zu studieren, wie Allmenden in der Geschichte und in verschiedenen Ländern funktioniert haben und teilweise immer noch funktionieren. Dabei bezieht sie sich teilweise auf Praxen, die tausende Jahre zurückliegen. Zum Beispiel wie Tiere in verschiedenen Epochen auf die Weide getrieben worden sind und wie die Dorfgemeinden das untereinander geregelt haben, damit die Weiden keine Übernutzung erfahren.

Nun bleibt Ostrom aber nicht bei der historischen Analyse stehen. Ihr Punkt ist doch, dass wir unsere aktuellen Umwelt- und Ressourcenprobleme dadurch in den Griff bekommen könnten, dass wir vernünftige Regelungen nach dem Modell der Allmendenutzung treffen. In einem Artikel äußerst du dich recht kritisch, ob das klappen kann, weil unsere aktuellen Probleme schon in unserem Wirtschaftssystem angelegt sind.

Ich denke, das kann auch heute noch funktionieren und das passiert ja auch zum Teil, wie beispielsweise mit den Fischfangquoten, die eingerichtet werden, um eine Überfischung zu vermeiden. Aber im Gegensatz zu den historischen Beispielen von Ostrom, ist Umweltzerstörung heute quasi in der Wirtschaftsweise angelegt: im Prinzip der Profitmaximierung. Ostrom fragt sich nicht ohne Grund, warum solche Allmendepraxen über Jahrhunderte hinweg so gut funktioniert haben im Gegensatz zu der jetzigen, zeitgenössischen Gesellschaft, in der die Umweltzerstörung so groß ist, wie sie vorher noch nie war. Aber was sie nicht erkennt, ist, dass es das Profitprinzip in unseren heutigen Gesellschaften ist, das permanent dazu führt, dass unsere natürlichen Ressourcen ständig zur Disposition stehen.


Foto: Milicevic-Kadel

Lebenslauf

Myriel Milicevic ist Künstlerin, Forscherin und Interaktionsdesignerin. Mit Neighbourhood Satellites erkundet sie die unsichtbaren Verbindungen zwischen Menschen und deren natürlichen, sozialen und technischen Umwelt. Die Beobachtungen und Fragestellungen werden zu Entwürfen von praktisch-utopischen Modellen und Geschichten – oft in Zusammenarbeit mit anderen Künstlern, Wissenschaftlern und Bürgern, und manifestieren sich in Workshops, Ausstellungen, in Klassenzimmern und im freien Feld.

Hanspeter Kadel arbeitet als Designer in Berlin. Mit seinem technischen Wissen versetzt er Objekte in Bewegung, wobei er sein Wissen als Ecoresearcher und als Workshopleiter weiter vermittelt.

www.energyharvests.org