AUSSCHREIBUNG DES KÜNSTLERISCHEN IDEENWETTBEWERBS FÜR PROJEKTE IM BERLINER U-BAHNNETZ 2011
Zukunft des "Öffentlichen" im Öffentlichen Nahverkehr
NGBK sucht für 2011 partizipative und/ oder situationsspezifische Ideen, Visionen, Experimente und Interventionen, die die Zukunft des Öffentlichen im Berliner U-Bahnsystem mitgestalten.
Mehr Informationen im "Ausschreibung-2010/2011.pdf"
Abgabefrist: 01.10.2010
„Aber wir stellen uns eben die Zukunft wie einen in einen leeren Raum projizierten Reflex der Gegenwart vor,während sie oft das bereits ganz nahe Ergebnis von Ursachen ist, die uns zum größten Teil entgehen.„
Marcel Proust, auf der Suche nach der verlorenen Zeit.
U10 - von hier aus ins Imaginäre und wieder zurück ist ein Kunstprojekt der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst in Berlin, finanziert von der Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten / Kunst im Stadtraum und unterstützt von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), dem Berliner Fenster (Fahrgastfernsehen in der U-Bahn) und der Wall AG.
Ausloberin des Offenen Wettbewerbs:
Neue Gesellschaft für Bildende Kunst e.V.
Oranienstraße 25
D 10999 Berlin
www.ngbk.de
Anlass und Ziel des Wettbewerbs
Die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst schreibt zum zweiten Mal einen Offenen künstlerischen Wettbewerb im Rahmen des mehrjährigen Projektes „U10 von hier aus ins Imaginäre und wieder zurück“ aus.
Der erste Wettbewerb 2009/2010 nahm die in Teilen gebaute und nie in Betrieb genommenen Phantomlinie U10 zum Anlass, sich der Vergangenheit und Gegenwart des U-Bahnnetzes zu widmen, das als realer Ort und als imaginäre Welt eng mit der Geschichte Berlins verwoben ist. Die Künstler_innen haben daraus in enger Zusammenarbeit mit den Mitarbeiter_innen der BVG Projekte umgesetzt und die Entdeckungen, Erfahrungen und Kenntnisse, die sonst dem Auge des Betrachters verborgen geblieben wären, sichtbar gemacht (www.u10-berlin.de).
Der nun ausgeschriebene Wettbewerb 2010/2011 nimmt den gesamten Bereich des U-Bahnsystems zum Anlass, um die Zukunft des Öffentlichen im „Öffentlichen Nahverkehr“ zu thematisieren.
Das weit verzweigte Netz der Berliner U-Bahn befördert im Jahr fast 500 Millionen Fahrgäste. Menschen, die sich im Untergrund bewegen, aufhalten und transportiert werden wollen, haben Ansprüche und Erwartungen an die Atmosphäre und die Beförderungsbedingungen. Mit dem Angebot, das die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) entwickeln, müssen diese Anforderungen möglichst optimal befriedigt werden. Auch im Berliner Untergrund spiegeln sich gesamtgesellschaftliche Prozesse wieder, deren Ursachen beispielsweise technologische Entwicklungen und politische Entscheidungen sind.
Wohin soll der „Zug“ fahren? Welche Möglichkeiten hat die „Öffentlichkeit“, sich in Zukunftsfragen zu „ihrem“ öffentlichen Transportunternehmen zu äußern und Einfluss zu nehmen? Welche Zukunft ist denkbar?
In Berlin werden die U-Bahnhöfe noch weitestgehend als öffentliche Räume wahrgenommen, mit Zugang für jeden zum Zug, zum Kiosk und zum Imbissstehtisch. Mit regelmäßigen Tunnelwanderungen, Sonderzügen, Festen und Tagen der offenen Tür sucht die BVG den direkten Kontakt mit der Bevölkerung. Hier bieten sich Anknüpfungspunkte für künstlerische Projekte, die eine Bewahrung des Öffentlichen im „Öffentlichen Nahverkehr“ der Zukunft mitgestalten.
Das Projekt U10 lädt Künstlerinnen und Künstler ein, diese Fragen mit künstlerischen Mitteln zu erforschen und sich der komplexen Bedeutung des U-Bahnsystems heute und in Zukunft für die Stadt Berlin zu nähern.
Während in den bisherigen Projekten die Erfahrungen und Kenntnisse der Mitarbeiter_innen der BVG im Mittelpunkt standen, sollen nun noch mehr als bisher auch andere Nutzergruppen des U-Bahnsystems einbezogen werden.
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U10
Der Name des mehrjährigen Kunstprojektes verweist auf die historische U-Bahnlinie U10 (ehemals Linie F), die seit den 1930er Jahren geplant wurde und heute nur noch in einigen wenigen Fragmenten als nicht genutzte Rohbaubahnhöfe, Bahnsteige und “Blinde Tunnel“ existiert. Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/U-Bahnlinie_10_(Berlin).
Dieses zugleich existente und nicht-existente Bauwerk im Untergrund ist für den Wettbewerb ein Symbol dafür, dass künstlerische Strategien im Untergrund dazu beitragen können, Unsichtbares sichtbar werden zu lassen und die verborgenen Schichten von etwas Offensichtlichem zu Tage zu befördern.
Diesbezüglich bietet die Linie U10 mehrere Zukunftsszenarien an: aus einer verkehrstechnischen Perspektive bleibt die U10 relevant – als die im Streckennetz noch fehlende Ost-West-Tangente. Aus einer politischen Perspektive würde eine zukünftige Linie U10 wichtige Zielrichtungen setzen – als Bekenntnis zur ökologischen Gestaltung zukünftiger Verkehrskonzepte. Aus einer städtebaulichen Perspektive könnte die Bespielung brachliegender Räume (oder bei U10, Rohbaubahnhöfe) durch Kunst neue Bewegung in festgefahrene Planungen bringen. Aus kultureller Perspektive verkörpert die Linie U10 den Untergrund als dunkle Welt aus Phantasien, Geschichten, Projektionen und Science Fiction.
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Teilnahme
Teilnehmen können alle Künstler_innen und kollaborative Arbeitsgruppen von Künstler_innen und Nicht-Künstler_innen. Vorausgesetzt wird das Interesse an der Entwicklung einer gemeinschaftsorientierten künstlerischen Praxis, die Kunst als Mittel des Austausches und des Teilens versteht sowie die Bereitschaft zur Auseinandersetzung und Zusammenarbeit mit Vertretern und Vertreter_innen spezifischer kunstfremder Interessensgruppen. Am Verfahren beteiligte Personen sind nicht teilnahmeberechtigt.
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Gesuchte Projekte
Für das Kunstprojekt U10 – von hier aus ins Imaginäre und wieder zurück werden partizipative und/oder situationsspezifische Ideen, Visionen, Experimente und Interventionen gesucht, die sich mit der Zukunft des Öffentlichen im Berliner U-Bahnsystem auseinandersetzen.
Es interessieren sowohl interventionistische Projekte, in denen einzelne Künstler_innen und/oder Gruppen kurzzeitig in den Untergrund „abtauchen“ und auf ein spezifisches Moment reagieren, als auch Projekte, die langfristige Beziehungen zu den lokalen Akteuren aufbauen wollen.
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Zusammenarbeit mit Experten des Untergrunds
U10 erforscht, was der Berliner Untergrund für die Identität der Stadt und ihre Einwohner_innen bedeutet. Dazu bringt das Projekt Künstler_innen, BVG-Mitarbeiter_innen und andere Expert_innen des Untergrundes zusammen.
Die Initiator_innen streben an, das Projekt U10 in den sozialen Kontext des Berliner Untergrundes einzubetten und so die Bedeutung des Netzwerkes für die Identität der Stadt zu erforschen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die langfristige Zusammenarbeit mit BVG-Mitarbeiter_innen aus unterschiedlichsten Arbeitsbereichen.
Es ist den Initiator_innen darüber hinaus ein wichtiges Anliegen, verbindliche und langfristige Beziehungen auch mit Teilen der Öffentlichkeit herzustellen, beispielsweise zu Bahn-Fans mit ihrem Engagement für den öffentlichen Personennahverkehr, zu Pendlern mit ihrer Routine und „Händlern“, die in den U-Bahnstationen ihre Geschäfte treiben. Diese verschiedenen U-Bahn-Nutzer_innen sollen neben einer kleinen Gruppe von Arbeiter_innen im Untergrund als Expert_innen des Untergrundes und als Berater_innen der Projekt-Künstler_innen eingebunden werden.
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Rahmenbedingungen
Alle eingereichten Projektideen müssen im Bereich der Berliner Untergrundbahn stattfinden, z.B. auf den Bahnsteigen, in den Gängen, auf den Hintergleisflächen, soweit sie den technischen Sicherheitsvorschriften im Untergrund entsprechen und mit ihnen in Einklang zu bringen sind. Alle Formate sind denkbar, wie z.B. Drucksachen, Filmprogramme, Installationen, Projektionen, Performances, Workshops.
Eine Nutzung für Projektideen in dem gesamten Bereich der Linie U10 ist nur zeitlich eingeschränkt und beaufsichtigt möglich. Denkbar sind hier z.B. Einzelveranstaltungen oder Führungen. Die Realisierbarkeit wird in enger Zusammenarbeit mit allen Beteiligten abgesprochen und ggf. modifiziert.
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Archiv und Publikation
Über die gesamte Laufzeit des Projektes hinweg entsteht eine Sammlung von Fakten und Fiktionen, von Bildern und Geschichten aus dem Untergrund, die mit jeder realisierten Arbeit wächst und im U10-Archiv archiviert wird.
Teil des U10-Archives ist zugänglich über die Website www.U10-Berlin.de
Alle ausgewählten Künstler_innen erhalten die Möglichkeit, eine gedruckte Dokumentation ihrer realisierten Arbeit zu produzieren. Ende 2011 wird voraussichtlich ein Gesamtkatalog mit der Darstellung aller künstlerischen Projekte erscheinen.
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Bewerbungsunterlagen
Die eingereichten Unterlagen sollten ein Format von 24 x 32 cm nicht überschreiten
Erforderlich sind
- ausgefülltes und unterschriebenes Teilnahmeformular („U10_formular_dt.pdf“)
- Projektbeschreibung incl. Ortsvorstellung für die Realisierung
des Vorhabens (max. 2 A4-Seiten)
- geschätzte Kostenaufstellung (Honorar-, Produktions-, Reise-
und Unterkunftskosten, ggf. aufgeteilt auf die intendierte Projektlaufzeit)
- Zeitplan
- für das eingereichte Projekt relevantes Dokumentationsmaterial
der bisherigen Arbeit mit biografischen Angaben (Mappe)
Bitte keine Dias, keine Kataloge (relevante Katalogbeiträge in Kopie
beilegen), keine CDs oder VHS-Kassetten und keine Originale oder Unikate
einsenden.
Zurückschicken der Bewerbungsunterlagen nur gegen Kostenerstattung
(ausreichend frankierter Rückumschlag) oder Abholung bei der NGBK
vom 01.11. bis 15.12.2010 (Oranienstraße 25, 1. OG, Mo-Fr 10-17
Uhr) Nicht abgeholte Unterlagen werden nicht gelagert!
Rückfragen und benötigte Informationen werden ausschließlich
schriftlich erbeten bis zum 01.08.10 per Email an:
info@u10-berlin.de
Betreff: Wettbewerb U10
Häufig gestellte Fragen werden unter www.ngbk.de veröffentlicht.
Die Bewerbung ist bis zum 01.10.2010 (Eingang) an folgende Adresse zu senden:
NGBK / Wettbewerb U10, Oranienstraße 25, D - 10999 Berlin
Es gilt der Posteingang bei der NGBK! Die Einsender/-innen haben dafür
Sorge zu tragen, dass ihre Unterlagen vollständig bis zu diesem Termin
in der Geschäftsstelle der NGBK in Berlin vorliegen.
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Auswahlverfahren, Zeitablauf und Gesamtbudget
Der offene Ideenwettbewerb wird in einem einstufigen Verfahren realisiert. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Ende Oktober 2010 werden maximal vier Projekte von einem Auswahlgremium juriert. Für die Realisation der Projekte in 2011 wird ein Gesamtbudget (Honorar-, Produktions-, Reisekosten, Unterkunft) von 30.000 € zur Verfügung stehen (unter Vorbehalt der Zuwendung durch die Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten/Kunst im Stadtraum).
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Auswahlgremium für den Wettbewerb
Die Mitglieder der Arbeitsgruppe „U10“ der NGBK: Sofia Bempeza, Ania Corcilius, Jacopo Gallico, Eva Hertzsch und Adam Page, Leonie Baumann, Geschäftsführerin der NGBK, beraten von zwei BVG Mitarbeiter_innen, die sich für das Projekt U10 – von hier aus ins Imaginäre und wieder zurück engagieren.
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Vertraulichkeit
Die eingereichten Ideen werden mit Stillschweigen und Vertraulichkeit
behandelt und erfahren keine weitere Verwendung.
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Haftung
Für Beschädigung oder Verlust des eingereichten Materials haftet
die Ausloberin NGBK nur im Falle eines nachweisbar schuldhaften Verhaltens.
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Wichtige technische Daten und Hinweise
- Der ungehinderte Bahnverkehr muss gewahrt bleiben.
- Die Interventionen in allen Bereichen der U-Bahnhöfe und Zugänge
dürfen den Personenfluss nicht beeinträchtigen.
- Die Interventionen in allen Bereichen der U-Bahnhöfe und Zugänge
dürfen den Personenfluss nicht beeinträchtigen.
- Von den Künstlern und Künstlerinnen gewünschte Platzierungen
müssen u. U.
aufgrund genehmigungsrelevanter Belange modifiziert werden.
- Irritationen bzw. Ablenkungen im Sichtfeld des U-Bahnführers
sind auszuschließen.
Dazu gehören z. B. grelles Licht, Spiegel sowie bewegliche Teile.
- Klanginstallationen dürfen die Wahrnehmung der Bahnabfertigung
nicht
beeinträchtigen.
- Eine Stromversorgung (220V) ist in der Regel möglich.
- Sollten Bildträger hinter den Gleisen bearbeitet werden, dürfen
sie nach der Bearbeitung max. 3,5 cm in den Raum reichen. Ggf. vorhandene
denkmalpflegerische Umrahmungen dürfen nicht überdeckt werden.
- Die Realisierung von Lichtprojektionen ist von den konkreten örtlichen
Gegebenheiten abhängig.
- Zutritt zu den Gleisanlagen haben allein Angehörige der BVG
und Wall AG
- Zum Fotografieren und Filmen in den Bahnhofsbereichen ist eine Genehmigung
erforderlich, die nach vorheriger Absprache bei der NGBK erhältlich
ist. Fotografieren und Filmen auf der Linie U10 ist nicht möglich.
Die Bereiche der Linie U10 sind unter http://www.berliner-untergrundbahn.de/ ausführlich bebildert und beschrieben.
- Die technischen Bedingungen für die Realisierung im Berliner Fenster sind unter folgendem link abrufbar (nur auf deutsch!):
http://www.berliner-fenster.de/produktion/technische-infos.aspx
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Finanzierung
Das Projekt wird aus Mitteln der Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten / Kunst im Stadtraum finanziert. Die Ausschreibung und das gesamte Verfahren erfolgen unter Vorbehalt der Zuwendung für 2011 durch die Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten. Die NGBK kann und muss im Falle einer Zuwendungskürzung bzw. Änderungsbewilligung das Verfahren modifizieren.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
AG U10: Sofia Bempeza, Ania Corcilius, Jacopo Gallico, Eva Hertzsch, Adam Page
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