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AUSSCHREIBUNG DES KÜNSTLERISCHEN IDEENWETTBEWERBS FÜR PROJEKTE IM BERLINER U-BAHNNETZ 2011

Zukunft des "Öffentlichen" im Öffentlichen Nahverkehr

„Aber wir stellen uns eben die Zukunft wie einen in einen leeren Raum projizierten Reflex der Gegenwart vor,während sie oft das bereits ganz nahe Ergebnis von Ursachen ist, die uns zum größten Teil entgehen.„
Marcel Proust, auf der Suche nach der verlorenen Zeit.

NGBK suchte für 2011 partizipative und/ oder situationsspezifische Ideen, Visionen, Experimente und Interventionen, die die Zukunft des Öffentlichen im Berliner U-Bahnsystem mitgestalten.

Abgabefrist: 01.10.2010

Ausloberin des Offenen Wettbewerbs war die Neue Gesellschaft für Bildende Kunst e.V.,"www.ngbk.de"

Entscheidung des Auswahlgremiums

Anfang November trat das Auswahlgremium zusammen. Es bestand aus den Mitgliedern der AG „U10“: Sofia Bempeza, Ania Corcilius, Jacopo Gallico, Eva Hertzsch und Adam Page, Leonie Baumann, Geschäftsführerin der NGBK und wurde beraten von zwei BVG Mitarbeiter_innen, die sich für das Projekt U10 – von hier aus ins Imaginäre und wieder zurück engagieren. Das Gremium hat aus 192 Einreichungen vier Projekte ausgewählt:

Babylon Agentur von Bernardine Carroll

Neighborhood Satellites / Energy Harvesters / Underground Currents von Myriel Milicevic & Hans Peter Kadel

Space is the Place! - a kanak-futurist Manifesto von Veronika Gerhard & Vilokan T.

Reiseführer durch die schwarze Zone von Michael Kurzwelly

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Anlass und Ziel des Wettbewerbs

Der erste Wettbewerb 2009/2010 nahm die in Teilen gebaute und nie in Betrieb genommenen Phantomlinie U10 zum Anlass, sich der Vergangenheit und Gegenwart des U-Bahnnetzes zu widmen, das als realer Ort und als imaginäre Welt eng mit der Geschichte Berlins verwoben ist. Die Künstler_innen haben daraus in enger Zusammenarbeit mit den Mitarbeiter_innen der BVG Projekte umgesetzt und die Entdeckungen, Erfahrungen und Kenntnisse, die sonst dem Auge des Betrachters verborgen geblieben wären, sichtbar gemacht (www.u10-berlin.de).

Der Wettbewerb 2010/2011 nahm den gesamten Bereich des U-Bahnsystems zum Anlass, um die Zukunft des Öffentlichen im „Öffentlichen Nahverkehr“ zu thematisieren. Das weit verzweigte Netz der Berliner U-Bahn befördert im Jahr fast 500 Millionen Fahrgäste. Menschen, die sich im Untergrund bewegen, aufhalten und transportiert werden wollen, haben Ansprüche und Erwartungen an die Atmosphäre und die Beförderungsbedingungen. Mit dem Angebot, das die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) entwickeln, müssen diese Anforderungen möglichst optimal befriedigt werden. Auch im Berliner Untergrund spiegeln sich gesamtgesellschaftliche Prozesse wieder, deren Ursachen beispielsweise technologische Entwicklungen und politische Entscheidungen sind. Wohin soll der „Zug“ fahren? Welche Möglichkeiten hat die „Öffentlichkeit“, sich in Zukunftsfragen zu „ihrem“ öffentlichen Transportunternehmen zu äußern und Einfluss zu nehmen? Welche Zukunft ist denkbar?

In Berlin werden die U-Bahnhöfe noch weitestgehend als öffentliche Räume wahrgenommen, mit Zugang für jeden zum Zug, zum Kiosk und zum Imbissstehtisch. Mit regelmäßigen Tunnelwanderungen, Sonderzügen, Festen und Tagen der offenen Tür sucht die BVG den direkten Kontakt mit der Bevölkerung. Hier bieten sich Anknüpfungspunkte für künstlerische Projekte, die eine Bewahrung des Öffentlichen im „Öffentlichen Nahverkehr“ der Zukunft mitgestalten.

Das Projekt U10 lud Künstlerinnen und Künstler ein, diese Fragen mit künstlerischen Mitteln zu erforschen und sich der komplexen Bedeutung des U-Bahnsystems heute und in Zukunft für die Stadt Berlin zu nähern. Während in den bisherigen Projekten die Erfahrungen und Kenntnisse der Mitarbeiter_innen der BVG im Mittelpunkt standen, sollten nun noch mehr als bisher auch andere Nutzergruppen des U-Bahnsystems einbezogen werden.

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U10

Der Name des mehrjährigen Kunstprojektes verweist auf die historische U-Bahnlinie U10 (ehemals Linie F), die seit den 1930er Jahren geplant wurde und heute nur noch in einigen wenigen Fragmenten als nicht genutzte Rohbaubahnhöfe, Bahnsteige und “Blinde Tunnel“ existiert. Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/U-Bahnlinie_10_(Berlin).
Dieses zugleich existente und nicht-existente Bauwerk im Untergrund ist für den Wettbewerb ein Symbol dafür, dass künstlerische Strategien im Untergrund dazu beitragen können, Unsichtbares sichtbar werden zu lassen und die verborgenen Schichten von etwas Offensichtlichem zu Tage zu befördern. Diesbezüglich bietet die Linie U10 mehrere Zukunftsszenarien an: aus einer verkehrstechnischen Perspektive bleibt die U10 relevant – als die im Streckennetz noch fehlende Ost-West-Tangente. Aus einer politischen Perspektive würde eine zukünftige Linie U10 wichtige Zielrichtungen setzen – als Bekenntnis zur ökologischen Gestaltung zukünftiger Verkehrskonzepte. Aus einer städtebaulichen Perspektive könnte die Bespielung brachliegender Räume (oder bei U10, Rohbaubahnhöfe) durch Kunst neue Bewegung in festgefahrene Planungen bringen. Aus kultureller Perspektive verkörpert die Linie U10 den Untergrund als dunkle Welt aus Phantasien, Geschichten, Projektionen und Science Fiction.

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Zusammenarbeit mit Experten des Untergrunds

U10 erforscht, was der Berliner Untergrund für die Identität der Stadt und ihre Einwohner_innen
bedeutet. Dazu bringt das Projekt Künstler_innen, BVG-Mitarbeiter_innen und andere Expert_innen des Untergrundes zusammen.

Die Initiator_innen streben an, das Projekt U10 in den sozialen Kontext des Berliner Untergrundes einzubetten und so die Bedeutung des Netzwerkes für die Identität der Stadt zu erforschen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die langfristige Zusammenarbeit mit BVG-Mitarbeiter_innen aus unterschiedlichsten Arbeitsbereichen. Es ist den Initiator_innen darüber hinaus ein wichtiges Anliegen, verbindliche und langfristige Beziehungen auch mit Teilen der Öffentlichkeit herzustellen, beispielsweise zu Bahn-Fans mit ihrem Engagement für den öffentlichen Personennahverkehr, zu Pendlern mit ihrer Routine und „Händlern“, die in den U-Bahnstationen ihre Geschäfte treiben. Diese verschiedenen U-Bahn-Nutzer_innen sollen neben einer kleinen Gruppe von Arbeiter_innen im Untergrund als Expert_innen des Untergrundes und als Berater_innen der Projekt-Künstler_innen eingebunden werden.

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Archiv und Publikation

Über die gesamte Laufzeit des Projektes hinweg entsteht eine Sammlung von Fakten und Fiktionen, von Bildern und Geschichten aus dem Untergrund, die mit jeder realisierten Arbeit wächst und im U10-Archiv archiviert wird. Teil des U10-Archives ist zugänglich über die Website www.U10-Berlin.de

Alle ausgewählten Künstler_innen erhalten die Möglichkeit, eine gedruckte Dokumentation ihrer realisierten Arbeit zu produzieren. Ende 2011 wird voraussichtlich ein Gesamtkatalog mit der Darstellung aller künstlerischen Projekte erscheinen.

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Teilnahme

Teilnehmen können alle Künstler_innen und kollaborative Arbeitsgruppen von Künstler_innen und Nicht-Künstler_innen. Vorausgesetzt wird das Interesse an der Entwicklung einer gemeinschaftsorientierten künstlerischen Praxis, die Kunst als Mittel des Austausches und des Teilens versteht sowie die Bereitschaft zur Auseinandersetzung und Zusammenarbeit mit Vertretern und Vertreter_innen spezifischer kunstfremder Interessensgruppen. Am Verfahren beteiligte Personen sind nicht teilnahmeberechtigt.

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Rahmenbedingungen

Alle eingereichten Projektideen müssen im Bereich der Berliner Untergrundbahn stattfinden, z.B. auf den Bahnsteigen, in den Gängen, auf den Hintergleisflächen, soweit sie den technischen Sicherheitsvorschriften im Untergrund entsprechen und mit ihnen in Einklang zu bringen sind. Alle Formate sind denkbar, wie z.B. Drucksachen, Filmprogramme, Installationen, Projektionen, Performances, Workshops. Eine Nutzung für Projektideen in dem gesamten Bereich der Linie U10 ist nur zeitlich eingeschränkt und beaufsichtigt möglich. Denkbar sind hier z.B. Einzelveranstaltungen oder Führungen. Die Realisierbarkeit wird in enger Zusammenarbeit mit allen Beteiligten abgesprochen und ggf. modifiziert.

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